
Gruppenfoto vor der Konferenz
Florian Würrer, Andreas Harapat, Simon Strobl und Raphael Riemer repräsentierten die Werke der jungen FUNSET-Forscher auf der 11-tägigen Forschungsreise zusammen mit Dr. Munir Merdan und DI Mag. Gottfried Koppensteiner in China. Dabei standen ein Treffen mit Forschungspartnern der Peking University sowie die Präsentation bei der IEEE Conference about Future Information Technology and Management Engeneering im Mittelpunkt. Lesen Sie hier den 2. Bericht von Raphael Riemer (aus Sanya) über deren Erlebnisse und Erkentnisse aus dem Reich der Mitte.
13.12.2009
7 Uhr morgens, der Handywecker klingelt. Mit dem Bedürfnis, diesen abzustellen und sich nochmal umzudrehen, müssen wir doch zeitig aufstehen, denn immerhin beginnt heute endlich der erste Konferenztag in Sanya, weswegen wir letztendlich auch in China sind! Ein wenig nervös vor der heutigen Präsentation treffen wir uns pünktlichst um 7:30 beim Frühstück, und nach ein paar Stärkungen, mit der Malaria-Vorbeugungstablette intus, geht’s ab ins Zimmer, bei Sonnenschein und Strandfeeling in die Jeans und das Hemd, und schlussendlich ab nach unten zum Caddy-Boy, der uns zum Konferenzhotel bringt. Denn das sogenannte „Convention Center“ befindet sich etwa 15 Gehminuten von unserem Hotel entfernt, für verwöhnte 5 –Sternegäste, wie uns, natürlich 15 Minuten zu viel.
Rechtzeitig treffen wir kurz vor 8:30 ein, bewundern die noble Ausstattung des Konferenzgebäudes, und finden uns im Präsentationssaal ein, wo außer uns etwa zu 100% Chinesen gemeinsam mit uns auf die schon sehr gespannte Eröffnungsrede warten. Ein riesiges Plakat, auf dem die Namen der Konferenzen (es finden nämlich außer unserer noch 3 weitere an den selben Tagen statt, im selben Raum) aufgelistet sind.
Dann, endlich, beginnt offiziel der erste Konferenztag im Convention Center HNA Resort Sanya, wir werden höflichst begrüßt, und in weniger verständlichem, chinesischem Englisch wird uns der Ablauf des heutigen und morgigen Tages erklärt, auf die wir uns zunächst schon freuten. Vor unserem Auftritt zu Beginn der ersten „Oral Session“ von 14-16 Uhr sollten uns 2 außergewöhnliche Personen ihre aktuellen, wissenschaftlichen Arbeiten präsentieren (Keynode speeches). Wie man dem Konferenzprospekt entnehmen konnte, sollte es sich hierbei um wirklich tolle Präsentationen und Arbeiten von sehr guten Wissenschaftlern handeln, wenn man gelesen hat, dass Herr Chin-Chen Chang (Taiwan, wobei Chin-Chen der Vorname ist), der erste Präsentant, in insgesamt 990 Veröffentlichungen vorkommt, was mehr als bemerkenswert ist. Nun ja, nach seiner einstündigen Präsentation über A Data Hiding Method for Text Documents Using Multiple-Base Encoding war uns klar: das Niveau im Bezug auf Präsentationstechniken und Englischkenntnisse findet im Asiatischen keinen Anhang an das europäische Niveau. Stockende Sätze, durchgehende „Ähm“ ließen das Thema, welches eigentlich sehr interessant schien, sichtlich langweilig erscheinen, wie man hier nur unschwer erkennen kann:

Aufmerksamer Zuhörer?

Verzweifelt oder Müde?
Liegt vielleicht auch daran, dass in dieser einen Stunde der Inhalt von genau 10 (!) Powerpoint-Folien behandelt wird.
Im zweiten Vortrag sieht die Sache schon etwas anders aus. Hier wird mit den kompliziertesten Matrizen-, Funktions- und Summenformeln um sich geworfen, dass so ziemlich niemand diesem 30 Minuten-Vortrag mit 60 Folien folgen kann. Das typische chinesische Englisch ist einfach nicht zu verstehen, nachdem ich für mich durch die Schnelligkeit des Sprechverhaltens des zweiten Präsentanten sowieso nur spanisch (oder in dem Fall, chinesisch) verstehe. So kommt für mich persönlich auch das zweite Thema, Design and Analysis of High-Capacity Associative Memories Based on Recurrent Neural Networks, ziemlich unscharf rüber.
Nichts desto trotz geht es anschließend zu Mittag schnell zurück ins Hotel, es wird gegessen, und die Präsentation über unser Paper noch kurz besprochen. Selbstsicher und satt geht es dann auch wieder zurück ins Center, eine Menge von ca. 20 Personen der ursprünglichen Zahl, die den Saal doch fast ausgefüllt hat (geschätzte 70), verirrt sich wieder in den Präsentationsraum. Kaum schlägt es 14 Uhr, wird die erste Oral Session eröffnet, und wie erwartet, werden die Autoren von A Decision Support Algorithm for Ontology-based Negotiation Agents within Virtual Enterprises auf die Bühne gerufen.

The audience is listening
Ganz richtig, das sind wir! Und so geben Herr Mag. Professor Koppensteiner und Strobl Simon ihre Präsentationstechniken und Englischkenntnisse zum Besten und zeigen den Anwesenden, wie man richtig präsentiert.

DI Mag. Koppensteiner und Simon Strobl bei der Präsentation
Nach einigen weiteren Präsentationen über Themen wie An Innovative Education System for International Service Engineering oder Development of a robot flight-simulator education programming system for beginners based on Web 2.0 – ARFLIS neigt sich die erste Oral Session gegen 16 Uhr ihrem Ende zu, was für uns auch das Ende des heutigen, sehr spannenden ersten Konferenztages bedeutete. Wir freuen uns auf jeden Fall schon auf den morgigen, zweiten Tag, der verspricht, mit einem noch außergewöhnlicherem Wissenschaftler, der eine Keynode Speech halten wird, noch interessanter zu werden als der heutige.
14.12.2009
Auch heute fällt das Aufstehen nach dem gestrigen gemütlichen Billiardabend mit einem anschließenden „Local Beer“ nicht sehr einfach, dennoch kommen alle wieder rechtzeitig auf die Beine, denn der heutige Programmablauf passt sich an den gestrigen doch sehr an.
Bereits um 8:30 beginnt die mit größter Spannung erwartete Key-Node Speech eines Wissenschaftler von der Oklahoma University, welcher mit hervorragendem Präsentationverhalten und gutem Englisch seine Mithörer bei Laune hält.
Ebenso, wie gestern, gibt es eine im Anschluss an die erste folgende Key-Node Speech jenes aufmerksamen Wissenschaftlers, den man oben imBild bewundern kann. So wie sein Verhalten (denn er hat ca. bei jeder Präsentation geschlafen) ist auch seine Präsentation über ein Thema, dessen Name sich zu merken es nicht wert ist. Ein überdurchschnittlich schlechtes Englisch, gepaart mit einem „Stichwortzettel“, der sich ungefähr über die ganze Projektionsleinwand ausbreitet (er hat die ganze Folie mit seinem Text gefüllt und 1:1 abgelesen), lassen uns den heutigen Konferenztag mit gemischten Gefühlen verlassen.
Doch trotz all dem nehmen wir viele Informationen über interessante Themen, welche teilweise auch gerade in der Schule wichtig sind, viele neue Erfahrungen mit der Kultur Asiens oder der ersten Präsentation vor internationalem (asiatischem) Publikum / Wissenschaftlern mit, denen wir laut Herrn. Professor Koppensteiner beim gestrigen Abendessen in Erinnerung geblieben sind, nachdem man über einen „young student“ genuschelt hat, der seine Sache sehr gut gemacht haben soll, obwohl er doch erst so jung ist (Simon Strobl).
An dieser Stelle bleibt zu sagen, dass sich die Mission FITME-Konferenz ihrem Ende nähert, denn bereits morgen geht es am Abend in einem 16 Stunden – Trip von Sanya nach Peking über Frankfurt nach Wien. Und genau deswegen möchte ich mich im Namen der 4 Schüler (Würrer, Harapat, Strobl, Riemer) herzlichst bei der Schule und der technischen Universität bedanken, die uns diese Reise, die uns sehr viel gelehrt hat, ermöglicht und zum Teil finanziert hat, denn ohne diese großartige Unterstützung wäre das nicht möglich gewesen.
Raphael Riemer, 14.12.2009 Sanya, China