Smaragd · Blog · Sparkling Science

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Pionierprojekt: SMARAGD-Blog

Halb Wissenschafter halb Tourist…

Das ist wirklich nicht einfach zu trennen, nachdem wir uns auf einem Schiff voll mit mehr oder weniger interessierten Urlaubern befinden.

Am Sonntag 03.08. landeten wir am Vormittag mit den Zodiacs auf Cap Tegethoff. Dank Vogelkollonien auf den Felsen gibt es genug organisches Material (Dung) damit sich Boden bilden kann. Die mit Gras bewachsenen Felsflanken leuchten grün aus dem üblichen weiss und grau von Eis und Fels hervor.

Wir waren noch  nicht lange an Land, als Eisbärenalarm geschlagen wurde. Eine Bärin tauchte gemächlich hinter den Felsen auf. Wir hatten uns während dessen in der Nähe der Zodiacs zusammengerottet und wurden von unseren bewaffneten Guides geschützt. Die Bärin hatte allerdings kein besonderes Interesse an einer Gruppe neonfarbener Gestalten. Allerdings versperrten wir ihr den Weg, und somit blieb sie nahe der Felsflanken und vertrieb sich die Zeit mit einer vegetarischen Gras-Mahlzeit. Für uns war das eine gute Möglichkeit einen Eisbären aus der Nähe zu beobachten.

Das Cap hatte aber auch sonst noch einiges zu bieten, zum Beispiel die Überreste der Hütte aus der Bellman – Expedition und nicht zu vergessen die schönen Felsformationen, die man in mitten der eher gleichförmigen Tafelberge Franz Josef Landes nicht zu oft zu Gesicht bekommt.

Auf dem Rückweg mit dem Zodiac trafen wir dann noch auf ein Walroß, das sich gemütlich auf einer Eisscholle sonnte. Man hatte fast das Gefühl, das Tier genoss die Paprazzis, die es alsbald umrundeten und warf sich in verschiedene Posen.

Am Abend hatten wir noch einmal die Chance wissenschaftlich zu arbeiten. Diesmal versuchten wir das Akkumulationsgebiet der Eiskappe auf Mc Clintock Island zu erreichen. Da wir unter ziemlichen Zeitdruck standen, wir sollten die Reise ja nicht unbedingt bremsen, und Gletscherspalten das Vorankommen erschwerten schafften wir unser Ziel um 300m nicht. Trotzdem haben wir viel versprechende Radarprofile aufgenommen, in denen mehrere Schneeschichten sichtbar werden. Diesmal wurde unsere Seilschaft von einem russischen Guide begleitet, der sich ein Bild von unseren Messungen machte und gleichzeitig auch den Eisbärenschutz übernahm.

Zurück am Schiff konnten wir uns in der Sauna mit Barentsseewasser-Swimmingpool aufwärmen.

Montag war dann auch schon wieder der letzte Tag im Franz Josef Land Archipel. Es gab noch zwei Anlandungen, die erste auf der Alger Insel, wo man Überreste der Hütte aus der Baldwin Expedition bewundern konnte. Bewundern trifft es ganz gut, denn wie man mit der Ausrüstung von vor über hundert Jahren zum einen hierher kommen und dann noch überleben konnte ist für uns verwöhnte Menschen von heute unvorstellbar. Die zweite Anlandung fand auf Cap Triest statt, wo es neben riesig großen runden Steinen auch noch eine ganz besondere Spezies zu bewundern gab – die Eismeerschwimmer. Von unserer Gruppe war als einziger Roland abenteuerlustig und verrückt genug ein Bad in der Barentssee zu nehmen.

Gegen Abend waren wir beim nördlichsten Punkt unserer Reise angekommen, da uns Meereis die Fahrt nach Norden unmöglich machte. Wir fuhren allerdings eine Zeit lang die Eisgrenze entlang und konnten dabei ein Eisbärenmännchen ziemlich nahe und ein Weibchen mit ihrem Jungen in etwas weiterem Abstand auf den Eisschollen beobachten. Danach wurde Kurs in Richtung Spitsbergen gesetzt.

 

Eigentlich wäre Dienstag ein guter Tag gewesen um Tagebuch zu schreiben, nur machte das Wetter und der hohe Wellengang an diesem Tag jeglichen Versuch zunichte mehr zu tun als im Bett zu liegen und mit den Wellen mitzuschaukeln.

 

Auch Mittwoch war ein reiner Seetag auf dem Weg nach Spitsbergen. Zum Glück hatte sich das Meer wieder beruhigt, hatte es fast etwas zynisches wie ruhig die See an diesem Tag war. Auf vielfache Anfrage hielten wir an Board Vorträge in deutsch, englisch und russisch über unsere Arbeiten, welche mit großem Interesse aufgenommen wurden.

Leider haben wir dadurch den Cocktail mit dem Capitän versäumt. Aber am Abend gab es dann noch Polar-Barbeque am Schiffsdeck

 

Christine Kroisleitner 

Land in Sicht!

Samstag 02. 08. abends: Endlich hat das warten auf dem Schiff ein Ende und wir haben die erste Eiskappe in Franz Josef Land vermessen.

Aber der Reihe nach:

Am Freitag drehte sich alles um die Sonnenfinsternis. Sehr beeindruckend – besonders weil dies die einzige Gelegenheit war unser Schiff für ca 2 Minuten bei „Nacht“ zu erleben. Und dann endlich, nach drei Tagen auf hoher See kam Franz Joseph Land in Sicht. Seither schippern wir zwischen von Eiskappen bedeckten Tafelbergen und beeindruckenden Gletschern deren eisblaue, schroffe Fronten ins Meer ragen. Allerdings schaffte die Crew es am Freitag nicht mehr eine anlandbare Stelle zu finden, da es noch recht hohen Seegang gab.

 

Aber heute war es dann soweit. Um 6 Uhr Früh brachte uns Andreas mit einem Zodiak auf die Kötlitzinsel – unseren ersten Arbeitsplatz – uns, das heißt Aleksey Sharov und Roland Wack vom Joanneum Research Graz und Wolfgang Schöner und mich (Christine Kroisleitner) von der ZAMG Wien.  Vor unserem Landgang mussten wir noch eine Erklärung unterschreiben, dass wir völlig eigenverantwortlich unterwegs waren und insbesondere dass wir nicht mit Sicherheit erwarten konnten dass uns das Schiff  wieder abholen kommt wenn z.B. die Meereislage oder das Wetter schlechter wird. Ein mulmiges Gefühl machte sich da bei uns breit, trotz strahlendem Sonnenschein, aber wenigstens wollte uns niemand in falscher Sicherheit wiegen. Ein großkalibriges Gewehr und eine Leuchtpistole waren unsere Eisbärenversicherung. – auch mulmig.

 

Nichts desto trotz bauten wir unsere Messgeräte, ein Bodenradar und ein differentielles GPS auf, und starteten auf die Eiskappe. Obwohl keine Spalten zu erwarten waren, verwendeten wir das Seil um das Restrisiko einfach möglichst klein zu halten. Für Eisbären müsste das ein bisschen nach running sushi ausgesehen haben, so aufgefädelt wie wir da an unserem Seil waren. Der Schnee war zwischen 20 und 50 cm tief und sehr nass was das Gehen mühsam machte. Bei herrlichem Sonnenschein entschädigte uns allerdings der Ausblick auf das Meer und die Inseln Franz Josef Lands. Wir überschritten die Wasserscheide der Eiskappe und wollten eigentlich auf der anderen Seite an die Küste gehen. Dieses Vorhaben brachen wir sicherheitshalber ab, da viel Meereis vor der Küste lag, und auf Meereis jagen die Eisbären.

So wanderten wir in einer großen Schleife wieder zurück zu unserem Landeplatz und hatten noch eine Stunde um die Gegend zu genießen, bis uns Andreas mit dem Zodiac wieder abholte.

Unsere Ankunft am Schiff wurde von jeder Menge Kameras dokumentiert und ab dem Zeitpunkt waren wir auf dem Schiff bekannt – als „unsere Glaziologen“.

 

Christine Kroisleitner

Totale Sonnenfinsternis

Heute, am 1. August, steht der erste Höhepunkt der Polaris Reise auf dem Programm – eine totale Sonnenfinsternis. Für die Touristen ist das natürlich ein wesentlicher Meilenstein ihres Urlaubs – für uns eine sehr schöne Bereicherung unserer geplanten Feldarbeiten. Die Aufregung am Schiff ist groß. Werden wir halbwegs klaren Himmel haben? Wird der Seegang eine gute Beobachtung ermöglichen? Alle am Schiff werden zusehends vom Sonnenfinsternisfieber erfasst. Die Fotographen und Videofilmer sind mit den letzten technischen Vorbereitungen und Fachsimpeleien beschäftigt. Unsere Chance klaren Himmel zu haben ist laut Statistik nicht sehr groß, laut Wettervorhersage ist jedoch 3/10 Bewölkung zu erhoffen. Und dann ist der Moment plötzlich da – und das bei fast wolkenlosen Himmel. Unfassbar! Es wird still am Schiff, einzig das Knattern der Fotoapparate und Surren der Videokameras ist zu vernehmen. Der Kapitän hält das Schiff in fixer Position. Sein großartiger Einsatz sowie die perfekte Planung durch den anwesenden Astronomen haben sich bezahlt gemacht. Als die Sonne dann völlig verschwindet und kurzzeitig die Dunkelheit einfällt, erschaudert jeder, nicht nur vor Kälte sondern auch vor der Großartigkeit des Ereignisses.  

 

Wolfgang Schöner

 

 

 

 

Auf hoher See

Heute, Donnerstag 31. 07. befinden wir uns schon den zweiten Tag auf hoher und seit der Nacht ziemlich rauer See. Dieser Zustand bekommt dem Teint und auch dem Appetit der meisten Passagiere, uns mitgerechnet, nicht besonders. Der Speisesaal ist jede Mahlzeit schlechter besucht.

Auf Deck ist es stürmisch und kalt, was die Foto-Jagd nach Walen und Robben nicht besonders attraktiv und für die Kamera auch nicht ungefährlich macht.

Gestern allerdings, hatte ich nach einer dreiviertel Stunde ausharren auf Deck das Glück einen Wal vor die Linse zu bekommen. Leider weit entfernt und nur die Schwanzflosse.

Es dürfte sich aber um einen Buckelwal gehandelt haben, da in der Nacht noch weitere Exemplare gesichtet wurden.

Morgen werden wir Franz Josef Land erreichen und, sofern es das Wetter zulässt, das erste Mal mit den Zodiacs an Land gehen. Damit könnten wir dann endlich mit unseren Messungen beginnen, sofern wir einen begehbaren Gletscher finden. Endlich weil es auf dem Schiff nicht viel zu tun gibt bei relativ hohem Seegang – schon einen kurzen Bericht im Notebook zu verfassen kann den Magen da an seine Grenzen bringen.

 

 Aber zurück zu morgen:  Bevor sich die Frage des Landganges stellt, werden wir noch Zeugen der totalen Sonnenfinsternis werden, leider vom Boot aus, da die Inseln, die sich in der Kernzone befinden, noch im Meereis stecken – aber wir werden rechtzeitig dort sein.

Wolfgang Schöner und Christine Kroisleitner

Anreise nach Spitzbergen

Es ist soweit. Wir starten zu unserer Expedition nach Franz Josef Land los. Die Anreise geht per Flugzeug nach Spitzbergen von wo wir dann mit dem Schiff MS Polaris nach Franz Josef Land weiterreisen wollen. Der Flug funktioniert planmäßig – aber leider geht auch, “fast planmäßig”, ein Gepäckstück verloren. Unser Eisbohrer, noch in letzter Minute von Gernot für uns gefertigt, kommt nicht in Longyearbyen an. Ein Abwarten ist nicht möglich, da bereits in wenigen Stunden das Schiff auslaufen wird. Wir müssen also auf den Bohrer verzichten. Eine kurze Besichtigung von Longyearbyen wird uns noch zugestanden und dann können wir um 17:00 an Bord der MS Polaris gehen. Dieses Schiff hat eigentlich eine Rundreise für betuchte Touristen von Spitzbergen nach Franz Josef Land und wieder zurück zum Ziel, wobei eine wesentliche Attraktion auch die Beobachtung der totalen Sonnenfinsternis ist. Für uns ist diese Expedition die einzige Möglichkeit in diesem Sommer nach Franz Josef Land zu kommen. Also reihen wir uns ordnungsgemäß in die Warteschlage der “Arktiskreuzfahrer” ein.

MS Polaris

Vor unserer Abreise hatten wir noch eine massive Schrecksekunde gehabt. Der Expeditionsleiter von Poseidon Arctic Vojages, dem russischen Veranstalter dieser Reise, mit dem wir alle Abmachungen für unsere Feldmessungen auf einzelnen Inseln in Franz Josef Land getroffen hatten, war völlig überraschend verstorben. Sein Nachfolger wusste zwar dass da ein paar Wissenschaftler aus Österreich kommen würden, unsere Abmachungen waren ihm jedoch nicht bekannt. Erste Gespräche an Bord mit dem Expeditionsteam sind jedoch sehr positiv. Das Team um Expeditionsleiter Andreas Umbreit, einem altbekannten Spitzbergenkenner, ist sehr entgegenkommend und wir können den geplanten Messungen positiv entgegensehen. Leider sind jedoch die Eisverhältnisse nicht sehr günstig und ein anlaufen von Victoria Island und Kvittöya ist nicht möglich. Wir müssen daher die Reiseroute Richtung Süden legen, die Südspitze von Spitzbergen umrunden und können erst dann Richtung Franz Josef Land steuern.

Spitzbergen

Der schlechten Nachrichten noch nicht genug, musste das Schiff nach einigen Stunden auf Kurs entlang der Küste Spitzbergens kehrt machen und Barentsburg, die nächst gelegene Siedlung, ansteuern, da es den ersten und hoffentlich auch letzten Notfall an Bord gab. Ein Passagier bekam starke gesundheitliche Probleme, die am Schiff nicht in den Griff zu bekommen waren. Die Entscheidung umzukehren fiel den Verantwortlichen nicht leicht, da der große Zeitverlust die rechtzeitige Ankunft in der Kernzone der Sonnenfinsternis gefährdete. Aber natürlich geht die Gesundheit vor und mit einer Verspätung von ca. 10 Stunden nahmen wir endgültig Kurs zur Südspitze Spitzbergens.

Buckelwal taucht ab

Wolfgang Schöner und Christine Kroisleitner

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