Schools on Ice · Blog · Sparkling Science

Sparkling Science

BMWF

Pionierprojekt: Schools on Ice-Blog

BG Nonntal: Gletscherkundlicher Spaziergang

Blogeintrag: Bastian Auer, Florentine Brunner, Manuel Goditsch, Jakob Lindsberger, Sophie Janny

Gletscherspaziergang

Gletscherspaziergang

Tatsächlich spazierten wir nicht auf dem Gletschereis, sondern auf einer ca. 3 Meter dicken, darüber liegenden Schneeschicht. Gudrun Wallentin von der der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Forschungsstelle GIScience erklärte uns die Entwicklung des Gletschers. In der letzten Eiszeit zum Beispiel schürfte die Zunge des Dachstein-Gletschers das Becken des Attersees und des Traunsees aus. Seit dem hat sich der Gletscher natürlich um vieles verkleinert. Den letzten Höchststand verzeichnete man 1850. Die damaligen Ausmaße konnte man sich gut vorstellen, da wir die Endmoräne von unserem Aussichtspunkt deutlich erkannten.

Ein weiterer Zeuge für den Rückgang des Eises, ist der sogenannte Eisstein.

Dies ist ein Fels der heute ca. 50 Meter aus dem Gletscher ragt. Noch 1940 war er aber vollkommen vom Eis bedeckt.

Dirndl

Dirndl

Außerdem lernten wir, dass der Dachstein früher am Meeresboden abgelagert wurde war. Erst durch Verschiebung der Kontinentalplatten wurde das Gestein über Jahrtausende aufgefaltet.

wohlverdiente Pause

Natürlich haben wir nicht nur hart gearbeitet, sondern haben uns auch eine Pause gegönnt.

BG-Nonntal: Gletschermessung

Blogeintrag: Bastian Auer, Florentine Brunner, Manuel Goditsch, Jakob Lindsberger, Sophie Janny

Am 2 Juni starteten wir unsere Arbeit am Gletscher. Die Vorzeichen waren denkbar ungünstig, weil schlechtes Wetter für die folgende Woche prognostiziert wurde. Deswegen stand uns statt vier Tagen nur einer, dafür ein sonniger zur Verfügung. Um 8 Uhr fuhren wir mit dem Bus in Richtung Ramsau am Dachstein. Dort angekommen strahlte uns die Sonne entgegen und wir konnten es kaum erwarten mit den Messungen zu beginnen.

Um einen ultra-violett glühenden Kopf zu vermeiden schützten wir uns mit Sonnencreme und fuhren auf den Gletscher. Dort trafen wir Helmut Hausmann (Geophysiker, TU-Wien) und Markus Keuschnig (Geograph, NAWI – Salzburg). Dank eines Vorbereitungskurses wussten wir bereits wie die Navigationsgeräte funktionieren. Ohne größere Schwierigkeiten konnten wir die Messpunkte aus dem Jahr 1968 finden. Im Schnee bauten wir das mitgebrachte Georadar auf, das uns von den zwei Wissenschaftern erklärt wurde.

Aufbau des Georadars

Aufbau des Georadars

Ein Georadar misst die Mächtigkeit des Eises und besteht aus einer Sender- und einer Empfänger-Antenne. Der Sender schickt einen Impuls mit einer bestimmten Frequenz nach unten. Dieser wird an den verschiedenen Schichtgrenzen (z.B. Übergang von Eis zu Gestein) reflektiert und vom Empfänger aufgenommen. Mit der entstandenen Zeitdifferenz hat man die Möglichkeit, die zurückgelegte Strecke/Eisdicke zu errechnen. Diese Daten wurden direkt am Laptop gespeichert.

Messen mit dem Georadar

Messen mit Georadar

Um ein Längenprofil zu erstellen verschoben wir dann das Georadar je um einen Meter, damit wir möglichst viele Daten erhielten. Schlussendlich hatten wir am Schladminger Gletscher eine Strecke von 400 Metern zurückgelegt. Anschließend maßen wir auch noch ein 200m langes Profil am oberen Hallstätter Gletscher ein.

Schüler am SchaufelnLehrer am schaufeln

Schüler und Lehrer beim Schaufeln

Außerdem durften wir die Erfahrung machen, dass es viel anstrengender ist die Schneedicke zu messen, als die Eisdicke. Hierbei konnten wir nicht einfach ein Georadar über den Gletscher schleifen (dazu wären andere Antennen von Nöten gewesen), sondern waren dazu gezwungen so tief zu graben, bis wir mit der Sonde auf Eis gestossen sind. Die größte gemessene Schneetiefe betrug 3,80 Meter.

Zusammenpacken und Abflug von Daniel

Nach diesen 3 weiteren anstrengenden Tagen im Feld sind wir alle ziemlich ruhebedürftig und verbringen unsere letzten beiden Tage hier an der Station. Vor unserem Abflug am Freitag gibt es noch einiges zu tun. Alle Messgeräte müssen wieder transportfähig verpackt werden und die Station muss für unsere “Ablöse” wieder auf Vordermann gebracht werden. Am Donnerstag wird Daniel, der sich bei den Feldarbeiten an der Schulter verletzt hat, frühzeitig von einer Twin Otter abgeholt und nach Island zur ärztlichen Behandlung geflogen. Er hat Glück, denn das Flugzeug ist unterwegs, um für die nördlich von Zackenberg gelegene Wetterstation Denmarkshavn Nachschub zu liefern und kann ihn ohne grossen Umweg mitnehmen. Trotz seiner verletzten Schulter und der damit verbundenen Zwangsruhepause verlässt Daniel – unser Radarspezialist – Zackenberg heute in bester Laune. Sollte das Wetter halten, werden wir ihm morgen nachfolgen, um ihn in Island vor der gemeinsamen Heimreise wieder zu treffen.

Die Twin Otter beim Anflug auf Zackenberg

Daniel beginnt die Heimreise einen Tag vor uns

Unser 3-wöchiger Aufenthalt hier an der Forschungsstation in Zackenberg war aus wissenschaftlicher Sicht ein voller Erfolg. Wir konnten unsere geplanten Messungen am Freya Gletscher auf grund der hervorragenden Logistik und der optimalen Bedingungen um diese Jahreszeit in recht kurzer Zeit durchführen und konnten die restliche Zeit für zusätzliche Messungen und Erkundungen nutzen, die eine optimale Basis für etwaige zukünftige Projekte schaffen. (Dazu ein Beispiel: Das ca. 25 km entfernte Olsen Icecap ist im Frühjahr in ca. 1.5 Stunden mit dem Skidoo erreichbar, während man im Sommer wenn kein Schnee mehr im Tal liegt ca. 2 Tagemärsche einplanen muss. Mehr als den eigenen Rucksack kann man da natürlich nicht mitnehmen, während man mit dem Skidoo auch größere Messgeräte, wie das Georadar oder automatische Wetterstationen transportieren kann.)

Jakob, Bernhard, Marc, Jörgen, Martin, Daniel, Gernot und Charlotte (von re. oben nach li. unt.)

Die hervorragende Kooperation sowohl mit den Leitern der Forschungsstation als auch mit den hier arbeitenden dänischen Wissenschaftern in Verbindung mit den der guten Logistik läßt die Durchführung von weiteren Forschungsarbeiten im Bereich von Zackenberg als sinnvoll und anstrebenswert erscheinen. Aus glaziologischer Sicht bleibt daher zu hoffen, dass die Forschungsstation Zackenberg auch nach dem Internationalen Polarjahr (IPY) genug Budget erhalten wird, um wie heuer schon im Frühjahr (März oder April) geöffnet zu werden.

AGRT ‘Zackenberg 2008′

Abschluss der Messungen am Freya Gletscher

Zum Abschluss unserer Messungen begeben wir uns nun noch einmal auf den Freya Gletscher. Das Wiener Team hat die Eisdicken- und Akkumulationsmessungen bereits abgeschlossen, für das Team Innsbruck steht aber noch die Schneechemie- Vergleichsmessung aus. Schon einmal haben wir 4 Schächte am Freya Gletscher schneechemisch beprobt, um Informationen über den Schmutzeintrag (natürlich und menschlich verursacht) der Schneedecke in dieser Region Grönlands zu erlangen. Diesmal möchten wir die Schneedecke noch einmal analysieren, um den Einfluss des eingedrungenen Schmelzwassers abschätzen zu können. Schon bei der Fahrt zum Freya Gletscher wird klar, dass sich die Bedingungen bereits sehr stark geändert haben. Wo wir vor drei Wochen noch in mehr als einem halben Meter Pulverschnee versunken sind, haben wir jetzt mit Schneematsch zu kämpfen, wodurch unsere erlernten Skidoo-Kenntnisse wirklich auf die Probe gestellt werden. Ohne Schlitten schaffen wir es aber noch einmal über alle Steilstufen auf den Gletscher zu kommen und die letzte Messaktion dieses Aufenthaltes schließen wir erfolgreich ab.

An drei Stellen des Freya Gletschers können wir Dichte, Temperatur, Feuchte und Struktur der Schneedecke erneut bestimmen und nehmen wieder fast 50 Schneeproben zurück zur Station mit. Auch messen wir einmal mehr die Temperaturen der Schneedecke in einem Raster über den Gletscher verteilt und können so den Temperaturanstieg durch das Eindringen der mittlerweile schon beträchtlichen Sonnenstrahlung quantifizieren. Die Schneetemperaturen in 20 cm haben bereits um etwa 10°C zugenommen, seit wir vor drei Wochen das erste mal hier gemessen haben. 24 Stunden Sonnenschein wirken sich hier sehr schnell auf den Aufbau und die Temperaturen der Schneedecke aus. Nachdem wir unsere Arbeiten nun wirklich abgeschlossen hatten, können wir uns auch noch einen Wunsch erfüllen, über den wir seit Beginn unserer Zeit in Grönland schon nachgedacht haben. Auf einem Gipfel oberhalb des Freya Gletschers verbringen wir bei idealen Wetterbedingungen einen ganzen Tag, um jede Stunde ein Panorama zu schießen. Zusammengefügt illustrieren die Panoramen den Verlauf der Sonne beeindruckend und für jeden von uns wird dieser Tag zu einer bleibenden Erinnerung. Wie sich die Sonne gegen Mitternacht dem Horizont annähert, um dann wieder aufzusteigen und uns mit diesem unvergleichlich sanften Licht wärmt, wird uns bewusst, wie viel Glück wir während dieses Grönlandaufenthalts hatten. Diesmal hat auch Dank eines ausgeklügelten Schichtsystems niemand verschlafen und wir alle sind sehr froh, dass wir dieses Panorama als Souvenir unserer Zeit in Zackenberg mit nach Hause nehmen können.


Gegen neun am Abend brechen wir wieder nach Zackenberg auf und steuern unsere Skidoos durch den wassergesättigten Schneematsch. Als wir die inzwischen beträchtlich größer und tiefer gewordenen Wasserlacken am Fuße des Gletschers erblicken, zweifeln wir fast schon, dass wir da durchkommen ohne die Skidoos zu versenken. Zwei von uns fahren mit den Skiern zu den Lacken, um die seichtesten Stellen ausfindig zu machen, und dann heisst es alles oder nichts: Entweder mit voller Geschwindigkeit und ohne zu lenken durch (so soll man angeblich auch einige Zeit auf einem See über Wasser halten können, siehe James Bond) – oder steckenbleiben und absaufen… Es spritzt nach allen Richtungen, aber 50 Meter weiter hinten erreichen wir wieder festen Boden. Wieder einmal eine Situation, die 15 km von der Station entfernt durchaus unangenehm hätte werden können. Bei der Heimfahrt über den Tirolerfjord bemerken wir das erste Mal Risse im Meereseis. Als wir die Skidoos am Abend vor der Station parken, ist uns klar, dass das wohl eine der letzten Fahrten für diese Saison war, weil die Bedingungen schon zu schwierig sind und das Risiko des Einsinkens im Matsch zu hoch ist.

Gegen neun am Abend brechen wir wieder nach Zackenberg auf und steuern unsere Skidoos durch den wassergesättigten Schneematsch. Als wir die inzwischen beträchtlich größer und tiefer gewordenen Wasserlacken am Fuße des Gletschers erblicken, zweifeln wir fast schon, dass wir da durchkommen ohne die Skidoos zu versenken. Zwei von uns fahren mit den Skiern zu den Lacken, um die seichtesten Stellen ausfindig zu machen, und dann heisst es alles oder nichts:

Entweder mit voller Geschwindigkeit und ohne zu lenken durch (so soll man angeblich auch einige Zeit auf einem See über Wasser halten können, siehe James Bond) – oder steckenbleiben und absaufen… Es spritzt nach allen Richtungen, aber 50 Meter weiter hinten erreichen wir wieder festen Boden. Wieder einmal eine Situation, die 15 km von der Station entfernt durchaus unangenehm hätte werden können.

Bei der Heimfahrt über den Tirolerfjord bemerken wir das erste Mal Risse im Meereseis. Als wir die Skidoos am Abend vor der Station parken, ist uns klar, dass das wohl eine der letzten Fahrten für diese Saison war, weil die Bedingungen schon zu schwierig sind und das Risiko des Einsinkens im Matsch zu hoch ist.

Sobald unsere Schneeproben aufgetaut sind, werden wir erste Parameter (PH-Wert und Leitfähigkeit) hier im Labor auswerten, eine detaillierte Ionenanalyse erfolgt dann später in Innsbruck.

AGRT ‘Zackenberg 2008′

Erkundungstour in Richtung Inlandseis

Am Sonntag nutzen wir das traumhafte Wetter für eine Erkundungstour auf dem Tirolerfjord Richtung Inlandeis. Da die Forschungsstation Zackenberg dieses Jahr zum ersten Mal schon im Frühjahr in Betrieb ist, und auch zum ersten Mal die Skidoos in Betrieb sind, wollen wir den Aktionsradius der Skidoos austesten, um die zukünftigen glaziologischen Forschungsmöglichkeiten in Zackenberg aus rein logistischer Sicht besser abschätzen zu können.

Auf einer langen Fahrt druch den Tirolerfjord wollen wir herausfinden, ob man von hier aus das ca. 100km entfernte Grönländische Inlandseis erreichen kann. Die Fahrt über den zugefrorenen und verschneiten Fjord ist ein landschaftliches Erlebnis sondergleichen. Zusätzlich zur wunderschönen Kulisse beeindruckt uns die Tatsache, dass hier im Frühjahr vielleicht bis jetzt eine Handvoll Menschen überhaupt waren, so unzugänglich ist diese Gegend. Am Weg besichtigen wir zwei Jagdhütten von norwegischen Jägern aus den 50er Jahren.

Nach ca. 4 Stunden Fahrzeit müssen wir jedoch feststellen, dass ein großer aus einem Seitental herausfließender Gletscher mit einer ca. 50 Meter hohen Grundmoräne diesen Weg zum Inlandseis für Skidoos unpassierbar macht. Bliebe noch der Weg über Norden, den wir jedoch in der uns zur Verfügung bleibenden Zeit nicht mehr erkunden können. Zur Umkehr gezwungen versuchen wir von Westen auf das Olsen Icecap zu fahren, aber auch hier werden wir von zu steilen Hängen und Moränenhügeln aufgehalten.

Also machen wir uns über ein Seitental auf den gewohnten Weg auf das Olsen Icecap, wo wir gegen 8 Uhr am Abend ankommen. Es ist windstill und angenehm warm, also beenden wir bis 23 Uhr unsere Eisdickenmessungen und machen zum Abschluss noch einen Abstecher auf einen der Felsgipfel in der Umgebung. Wir geniessen dort die Mitternachtssonne, ehe wir mit Ski und Skidoo vom Berg abfahren, unsere Messgeräte zusammenpacken und das wunderschöne Olsen Icecap für dieses Jahr wehmütig verlassen.
AGRT ‘Zackenberg 2008′

Sparkling Science - ein Programm des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung
Programmabwicklung: Österreichische Austauschdienst GmbH
Ebendorferstraße 7, A-1010 Wien · Tel.: 01/53408-430, Petra Siegele · Webmaster

Letzte Aktualisierung: · Bitte besuchen Sie Sparkling Science auch auf: