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Pionierprojekt: VEGMON-Blog

Zurück in Zackenberg – Aus dem Blickwinkel der Vegetationsökologen

Am 1. Juli hat unser Expeditionsteam die Forschungsstation Zackenberg in NO-Grönland erreicht. Die Anreise nach Grönland führte in unserem Fall über Island. Der letzte Abschnitt dieser Reise ist auch zugleich der eindruckvollste. Mit einer Twin Otter – ein Flugzeug, das nahezu überall landen kann – führte uns der letzte Flug 500 km entlang der Ostküste Grönlands vorbei an ausgedehnten Gletschern, tiefen Fjorden und schneebedeckten weiten Ebenen.

Für das Team der VegetationsökologInnen, das aus den beiden Dänen Christan Bay, Ditte Katrine Kristensen und den drei Österreichern Siegrun Ertl, Christan Lettner und Karl Reiter besteht, ist die Arbeitssituation im Juli optimal, da sich im ganzen Tal, auf den Berghängen und auf den Gipfeln die Vegetation voll entfaltet und wir mit einer Blütenpracht konfrontiert sind, die ich so im Vorjahr nicht erlebte.

Rund 30 Prozent der hier anzutreffenden Arten sind auch in unseren Breiten bekannt. Für die Region sind ca. 160 Gefäßpflanzen beschrieben – eine Diversität, die für ein Gebiet nördlich des 74° – Breitengrades als beachtenswert bezeichnet werden kann. 25 Pflanzenfamilien sind vertreten, wobei Süßgräser und Riedgräser ein Drittel der Arten des Gebietes stellen. Gemeinsam mit Kreuzblütlern, Nelken- und Steinbrechgewächsen werden über 60% der Arten umfasst. Bemerkenswert ist das Fehlen von Schmetterlingsblütlern, Dolden- und Lippenblütlern auf Grönland.

Die vegetationsökologische Forschung beschäftigt sich mit der Einrichtung von Monitoringflächen (“Dauerbeobachtungsflächen”), um Vegetationsveränderungen im Lichte des globalen Klimawandels nach standardisierten Erhebungsverfahren, die im Rahmen des weltweit agierenden Beobachtungsnetzwerk “GLORIA” (www.gloria.ac.at) entwickelt wurden, zu beobachten.

Die meisten Tage verbringen wir im Gelände, da es für uns keine Laborarbeit gibt. Meist geht es um 9 Uhr los. Beim Verlassen der Station rüstet man sich noch mit Funkgerät und Signalpistole aus. Die Signalpistole dient nicht dem Abgeben von Notsignalen sondern dem Verscheuchen von Moschusochsen.

Wir wandern fast jeden Tag auf den Hang des sogenannten Aucellaberges. Das Ziel hat man dabei ständig vor Augen, es wirkt so, als wäre es eine recht kurze Wegstrecke. Es geht auch “nur” 600 Höhenmeter nach oben – aber das Abschätzen der Entfernungen ist in der klaren Luft der Arktis extrem schwierig. Für eine Wegstrecke, die man nach subjektiver Einschätzung in zwei Stunden leicht zurücklegen würde haben wir dann doch drei Stunden benötigt. Angekommen am Gipfel starten wir gleich mit unserem Arbeitsprogramm, d.h. folgend den vorgegebenen Arbeitschritten des Forschungsprogramms GLORIA werden zuerst die Untersuchungsflächen eingemessen, photographisch dokumentiert und die Vegetation qualitativ und quantitativ bestimmt. Die Frage, die die wir uns stellen, ist ob die Klimaerwärmung die Bedingungen für das Wachsen der Pflanzen derart “positiv” beeinflusst, dass es zu einer Zunahme der Artenzahlen oder auch der Individuen in den Gipfelregionen des Aucellaberges in einigen Jahren kommen wird. Das erfordert die Wiederholung der Untersuchungen auf den gleichen Flächen nach einigen Jahren. So hat unser Team die Chance, wieder nach Zackenberg zurückkehren zu können.

Karl Reiter, Siegrun Ertl und Christan Lettner.

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