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Pionierprojekt: BIPOLAR-Blog

Und noch ein Abschied von Grönland…

In unserem Fall aber von der Ostküste. Es folgten noch ereignisreiche Tage in Zackenberg. Nach dem Starkregen konnten wir unsere Ausrüstung wieder trocknen und reinigen und schon zwei Tage später waren wir wieder auf Clavering. Diesmal bei phantastischen Wetterbedingungen und so bleiben diesmal Sonne, unvergessliche Herbstfarben und das strahlende Blau des Fjords in Erinnerung. Wir haben uns noch zwei Punkte vorgenommen: zum einen wollten wir einen Fotostandpunkt suchen, von dem aus Ahlmann 1939 eine Aufnahme der Gletscherzunge gemacht hatte, um einen direkten Fotovergleich zu bekommen. Eine spannende Arbeit, wenn man das genau machen will. Darauf folgend mussten wir einen mächtigen Fluss queren, was barfuß, mit schwerem Gepäck am Rücken keine angenehme Aufgabe ist…

Der nächste Tag hat uns dann sehr früh auf den Freyagletscher geführt, weil wir um 12 Uhr Mittag schon von Jörgen abgeholt wurden. Die herbstliche Morgenstimmung über dem Hochnebel am Gletscher ließ uns aber das Schlafdefizit vergessen. Wir konnten noch einige GPS-Punkte mit dem Gerät der Station aufnehmen und die Neuschneeverteilung über den Gletscher bestimmen.

Die folgenden Tage waren dann mit Zusammenpacken und Laborarbeit gefüllt, bevor wir uns für heuer von Zackenberg verabschieden mussten. Wieder gut zu Hause angekommen bleiben unvergessliche Erinnerungen an eine sehr aufregende und spannende Zeit und schon jetzt sind wir am planen, wie wir zukünftige Projekte in dieser phantastischen und glaziologisch noch sehr unerforschten Gegend realisieren können.

Jakob Abermann und Gernot Weyss

Arctic Station, Abschied von Grönland – jedenfalls fürs heuer

Es ist wieder so weit – es heißt Abschied nehmen von der Arktis, zu mindestens fürs heurige Jahr. Der Abschied wird uns heute leicht gemacht. Es regnet und alles ist grau in grau, sogar die Eisberge. Ich habe heute noch gar keinen fotografiert, und das will was heißen. Vorgestern hat es sogar  geschneit und die Temperaturen fallen in der Nacht schon unter Null Grad. Die Tundra präsentiert sich dafür in den herrlichsten Farben: gelbes Weidenlaub wechselt sich mit dem Orange der Zwerg-Birke und dem Rot der Heidelbeere ab.

Die letzen Tage hier waren sehr arbeitsintensiv – am Sonntag fuhren wir nochmals mit Tarflich, dem Jäger, zu einigen weiteren Flüssen um Proben zu nehmen. Die Hinfahrt war ziemlich stürmisch – immer wieder ritten wir auf den hohen Wellen dahin und eiskaltes Meerwasser spritzte ins Boot. Kurz schoss mir der Gedanke durch den Kopf, dass hier zu kentern lebensgefährlich ist. Anders als in Zackenberg tragen wir keine Überlebensanzüge oder Schwimmwesten, man muss einfach der Erfahrung des Grönländers vertrauen. Aber wie man sieht, wir sind heil und mit einigen Litern Probenwasser reicher zurückgekommen.

 

Dann hatten wir noch die Aufgaben für unsere Partnerschulen in Krems und Mödling zu erledigen. Die Temperaturfühler, die vor einer Woche ausgebracht wurden, mußten geholt und ausgelesen und Interviews mit Grönländern durchgeführt werden. Und nicht zu vergessen – die große Packorgie zum Schluss. Jedes Fläschchen und Röhrchen muss dicht eingewickelt und bruchsicher verpackt werden. Hoffentlich sind unsere Kisten nicht zu schwer um in Flugzeug mitgenommen zu werden, wir können sie gemeinsam gerade noch tragen. Für uns beginnt heute eine 2 Tage dauernde Heimreise – ein bisschen wehmütig sind wir zwar, aber auch sicher, wieder in die Arktis zu kommen. Es verabschieden sich, mit kalten Grüßen aus Grönland,

 

Michaela Panzenböck und Andreas Richter 

 

ZACKENBERG, Wintereinbruch

Am Montag 25. August werden wir sehr früh geweckt: Mads von der Sirius Sledge-Patrol, der dänischen Schlittenhunde-Einheit auf Grönland, steht völlig durchnässt neben unserem Zelt und bittet uns, sofort mitzukommen. Er habe eine große Überraschung für uns. Neugierig folgen wir ihm, dem warmen Schlafsack so schnell entrissen. Auf der anderen Seite des in der Nacht reißend gewordenen Gletscherbaches stehen zwei Männer. Einen haben wir am Flugplatz in Constable Point kennen gelernt, den anderen meint Mads, müsste ich ja kennen. Alle drei kämen von dem Segelschiff, das weiter draußen im Fjord liegt, dem Dreimast-Schoner Activ”. Bloß ich kann mich nicht erinnern, diesen Mann je gesehen zu haben. Er scheint auch etwas verwirrt und ruft über den Fluss, dass ich wohl nicht der richtige” Gernot sei, der er geglaubt hat anzutreffen. Er hat bei einem Besuch der Forschungsstation in Zackenberg nur meinen Vornamen gelesen, und da er seinen Freund und Glaziologen Prof. Gernot Patzelt aus Innsbruck schon länger nicht erreicht hatte, hatte er gehofft, ihn zufällig an einem ost-grönländischen Gletscher antreffen zu können und wollte ihn überraschen! Wir haben sehr über das Missverständnis gelacht, und Volkwin hat uns eingeladen, ihn auf seinem Segelschiff  einem der letzten originalen Segel-Handelsschiffe, die Grönland versorgten, zu besuchen.Ein Tag am Gletscher steht uns noch bevor, wir müssen noch einige Pegel bohren und Schnee- und Eisproben nehmen – und unsere ganze Ausrüstung wieder zum Lager heruntertragen. Nicht sehr lustig bei diesem sehr heftigen Schneeregen und starken Sturm…

Von Henric, dem Logistiker der Forschungsstation Zackenberg erfahren wir, dass er uns wegen des Sturms und des starken Seegangs in den nächsten Tagen nicht holen kann und wir auf der Insel Clavering im Zelt bleiben müssen. Aber er kann Volkwin fragen, ob er uns vorübergehend an Bord nehmen könnte. Sehr fein! Auf so einem schönen, ganz aus Eichenholz gebauten, arktistauglichen Dreimast-Schoner wollten wir schon sehr gerne mitsegeln! Mads und Laura von der “Activ” holen uns mit einem kleinen Schlauchboot an der Küste ab, wir werden bei dem wilden Seegang und dem Sturm von der eiskalten arktischen See sehr nass, können aber heil das Segelschiff erreichen und fühlen uns an Bord, vor dem wärmenden Kaminofen ein bisschen wie im Himmel…  Einen Tag bei Kaffee und Kuchen und vielen ausgezeichneten Speisen. An Bord ist eine gemischte Crew, Naturwissenschaftler aus Dänemark, ein Filmteam, welches diese Fahrt durch das Polarmeer und diese Arbeiten, die ebenfalls im Rahmen des internationalen Polarjahres durchgeführt werden, für einen Dokumentarfilm filmt und zwei Passagiere, welche die Arktis kennen lernen wollen.
Der Sturm und der Seegang lässt “leider” nicht zu, dass wir gleich in Zackenberg landen können und wir verbringen noch eine Nacht bei sehr lieben, lustigen und offenen Menschen! Erst am folgenden Morgen können wir wieder zur Forschungsstation zurückkehren und unsere nasse Ausrüstung trockenen und noch weitere Feldarbeiten auf dem Freya-Gletscher planen – bei hoffentlich einfacheren Bedingungen…

Gernot Weyss und Jakob Abermann

Arctic Station, Alltag

Kurzfristig ist es mit unserer Ruhe hier oben in der Arktis vorbei – eine amerikanische Studentengruppe bewohnt für 3 Tage die Station. Da es uns der starke Wind auch nicht erlaubt, für weitere Probennahmen mit dem Boot auszufahren, halten wir uns vorwiegend im Labor auf und bereiten einige Experimente vor. Was so schlimm klingt, ist es gar nicht. Vom Labor der Arktis Station hat man einen unvergleichlichen Blick aufs Meer – mitsamt seinen Eisbergen, die sich von Tag zu Tag verändern und sich sogar manchmal langsam umdrehen. Gestern hatten wir das Glück, einen Zwergwal beobachten zu können. Er hielt sich für einige Zeit in der Bucht auf und lockte weitere Beobachter – es gibt hier viele Touristen – an. Und falls man im Meer nichts Spektakuläres entdeckt, kann man mit großer Wahrscheinlichkeit ein Fußballmatch beobachten, das an einem der  nördlichsten gelegenen Fußballfelder allabendlich ausgetragen wird. Bis jetzt gab es nur 2 Tage, an denen nicht Fußball gespielt wurde. Waren es an einem Tag die Männer, spielen an anderen Tag die Frauen und wiederum am nächsten Tag die Nachwuchsmannschaft.  Und es gibt mindestens einen Schiedsrichter, wenn nicht sogar Linienrichter. Auch ansonsten scheinen die Grönländer sehr sportlich und naturverbunden zu sein – man sieht häufig Jogger. Spazieren gegangen wird sowieso mit Kinderwagen über Stock und Stein. Drei Mädchen beobachteten wir heute beim Waten im Meer– und das bei Temperaturen, die uns zu Anorak und Haube greifen lassen.

Zur Zeit sind wir alleine in der Station – drei dänische Wissenschaftler sind heute abgereist. Gestern gab es noch eine kulinarischen Austausch – Rentierschlögel als Hauptspeise und Kaiserschmarrn zum Dessert.

Jetzt hoffen wir noch, dass sich der Wind legt, damit wir noch einmal mit Tarflich, dem Jäger, eine Bootstour machen können und weitere Flüsse beproben können.

Liebe Grüße aus der bereits herbstlichen Arktis,

Michael Panzenböck und Andreas Richter

ZACKENBERG, Überfahrt nach Clavering

Die Überfahrt mit dem Schlauchboot zur Clavering-Insel ist bei wenig Wind und nahezu spiegelglatter See problemlos verlaufen. Wir haben schnell die Rucksäcke und Alukisten mit unserer Ausrüstung ausladen können und waren für die nächste Zeit auf uns gestellt. Drei Mal sind wir die Küste entlanggegangen, um unser Gepäck zu einem geeigneten Lagerplatz in der Nähe des Gletschers zu bringen; Jeder Transport dauerte über eine Stunde.viel stärker als man in der Arktis vermuten würde.

Am nächsten Tag sind wir zu unserem schon von der Expedition im Mai bekannten Gletscher aufgebrochen, über lose Steinblöcke die steilen Moränenhänge hinauf. Am Gletscher haben wir Reste der Expedition von dem schwedischen Glaziologen H. W. Ahlmann aus dem Jahr 1939 / 1940 gefunden. Ein schönes Gefühl, diese Messungen von damals fortsetzen zu können.

Wir sind nahezu den ganzen Gletscher bis ins Nährgebiet abgegangen, haben die Ablationspegel abgemessen, die unsere Kollegen Wolfgang Schöner und Bernhard Hynek im August 2007 in das Gletschereis gebohrt hatten, um uns ein erstes Bild vom Abschmelzen des Gletschers zu machen. Wir finden die Temperatur-Logger die wir im Mai in der Schneedecke vergraben hatten und können diese für die nächste Messperiode neu vorbereiten. Zum Glück haben wir einige Photos vom Ausaperungszustand des Gletschers machen können, denn das Wetter hat sich im Lauf des Tages geändert. Die Wolken sind immer dichter geworden und am Abend beginnt leichter Niederschlag. Spät in der Nacht erreichen wir müde unser Zelt im Tal.

Am nächsten Morgen weckt uns Regen, noch verhältnismäßig leicht aber beständig, der Wind wird immer stärker. Im oberen Teil am Gletscher löst Schnee den Regen ab, was nicht ganz unangenehm ist, da nicht alles so nass wird. In der Höhe ist der Gletscher bereits mit über 10cm Schnee bedeckt daher gehen wir mit Seilsicherung, denn einige Gletscherspalten sind schon vom Schnee verdeckt. Wir nehmen Schnee- und Eisproben für chemische Untersuchungen und messen die Dichte und Tiefe der Schneedecke. Ein besonders ausgeaperter Pegel im oberen Teil wird tief eingebohrt, um mit ausreichender Sicherheit für einige Jahre das Abschmelzen des Gletschers abmessen zu können. Sehr spät in der Nacht und durchnässt kommen wir zu unserem Zelt, das der Sturm zum Glück nicht weggeblasen hat. In der Nacht setzt sich der heftige Regen fort – viel stärker als man für die Arktis vermuten würde. 

Gernot Weyss und Jakob Abermann

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