Stille Nacht

Klangweihnachtsbäume und andere Geschenke. "Stille Nacht" im künstlerisch-wissenschaftlichen Spannungsfeld

Wie lassen sich Prozesse und Produkte ästhetischen Gestaltens evaluieren? Welchen Beitrag können in diesem Zusammenhang die Beobachtungen, Beschreibungen und Bewertungen des eigenen Tuns durch Schülerinnen und Schüler leisten? Diesen Fragen widmet sich ein im Schnittfeld von Kunst und Wissenschaft verortetes Sparkling Science Projekt, das Schülerinnen und Schüler zweier Salzburger Schulen mit einem an der Universität Mozarteum verankerten Team aus Musikpädagogik und Musikwissenschaft zusammenführen.

Zum Anlass für kreatives Gestalten und wissenschaftliches Arbeiten wird für Schülerinnen und Schüler des BORG Gastein und des Oberstufenrealgymnasiums Oberndorf die Errichtung von Text-Bild-Klang-Installationen zum Thema „Stille Nacht“: Eine Niederschrift aus der Hand Joseph Mohrs, entstanden um das Jahr 1820, stellt das älteste erhaltene Autograph eines Liedes dar, das von Oberndorf ausgehend in kurzer Zeit Verbreitung in der ‚alten‘ und ‚neuen‘ Welt fand. „Stille Nacht“ ist – in mannigfache Sprachen übersetzt – zu einem integralen Bestandteil der weihnachtlichen Friedensbotschaft geworden und in die nationale Liste des UNESCO-Kulturerbes aufgenommen worden. Bunt und vielschichtig sind die Legenden, die sich um das heute in unzähligen Bearbeitungen erklingende Lied ranken. Entkontextualisierungen haben die intentionale Bindung des Liedes an das Weihnachtsfest teilweise vergessen und dieses mehr und mehr auch zum Bestandteil eines zeitlich immer früher einsetzenden Weihnachtsgeschäfts verkommen lassen. Dennoch ist davon auszugehen, dass das Erklingen von „Stille Nacht“ in Christmetten rund um den Erdball in vielen (auch jungen) Menschen noch immer – zumindest in Spuren – jene Ergriffenheit und Berührtheit erahnen lässt, die der Gesang Joseph Mohrs und Franz Grubers am Heiligen Abend des Jahres 1818 in der Oberndorfer Kirche hervorgerufen hat.

Sechs klar abgesteckte Themenkreise bieten sich für eine intensive Auseinandersetzung mit dem Lied an:

• „Zu Entstehungsgeschichte – ein Lied, umfangen von Legendenbildungen und Klischees.

• Der Text – Basis für Umgestaltungen, gerade auch unter politischer Zielsetzung.

• Holder Knabe im lockigen Haar“ – die Gestalt des Mensch gewordenen Erlösers, seine Darstellung im Lied sowie klingende und bildnerische Vorlagen, die zu dieser Gestalt hinführen.

• Die musikalische Gestaltung – im Spannungsfeld von kreativen Versuchen der ‚Aktualisierung‘, ‚banalen‘ Umformungen und Verballhornungen.

• Ein Lied geht um die Welt – zur internationalen Rezeption von „Stille Nacht“.

• Das Geschäft mit „Stille Nacht“.