(Ent)Zündende Sehnenforschung

Gespannte Reaktionen aus dem Bioreaktor: Einfluss entzündlicher Faktoren auf die Sehnenqualität

Die Anzahl der Personen, die im Laufe ihres Lebens mit einer Sehnenverletzung konfrontiert sind, steigt stetig. Sehnenverletzungen stellen für Ärztinnen und Ärzte insofern eine große Herausforderung dar, als verletztes Sehnengewebe nur unvollständig regeneriert und anstelle einer voll funktionsfähigen Sehne Narbengewebe mit eingeschränkten biomechanischen Eigenschaften tritt. Die Ursachen für die Entstehung von Sehnendegenerationen, sogenannten Tendinopathien, scheinen multifaktorieller Natur zu sein. Neben einer Anhäufung von asymptomatischen Mikrorissen durch Überbeanspruchung und altersbedingten Veränderungen auf zellulärer Ebene dürften auch entzündliche Prozesse eine Rolle spielen. Bekannte Risikofaktoren wie z.B. Diabetes, Übergewicht, Rauchen und diversen Autoimmunerkrankungen gehen mit einer systemischen, subklinischen (vom Patientinnen und Patienten nicht wahrnehmbaren) Entzündung einher, welche anhand einer zwei- bis dreifachen Erhöhung systemischer Entzündungsmarker definiert wird.

Ziel des Projektes ist, den Einfluss solcher Entzündungsfaktoren auf die Beschaffenheit und die biomechanischen Eigenschaften von Sehnengewebe zu untersuchen bzw. jene Faktoren zu analysieren, welche die Sehne nach Zugabe von Entzündungsfaktoren und unter zyklischer Belastung an die Umgebung abgibt. Dazu wird ein in Zusammenarbeit mit der Höheren Technischen Bundeslehr- und Versuchsanstalt (HTBLuVA Salzburg) bereits gebauter Bioreaktor dahingehend adaptiert, eine definierte Zugabe und Entnahme von verschiedenen Faktoren und eine entsprechende Kühllagerung zu ermöglichen. Zudem soll von den Schülerinnen und Schülern eine computergestützte optische Messeinrichtung zur exakten Querschnittsmessung gebaut werden, um das Elastizitätsmodul berechnen zu können.

Von den Ergebnissen dieser Analysen erhoffen wir uns ein verbessertes Verständnis der Wirkungsweise entzündlicher Faktoren auf die Sehnenqualität und damit eine Grundlage für mögliche therapeutische Interventionen.