GRASS - Graugänse als Tiermodell für soziale Systeme

Die Modulation circannualer Aktivitätsmuster im sozialen Kontext: Das Modell Graugans (Anser anser)

Soziale Konflikte zählen für gruppenlebende Wirbeltiere zu den stärksten Stressfaktoren, welche die Physiologie, das Verhalten, die Fortpflanzung und das Immunsystem der einzelnen Individuen beeinflussen. Integrative Studien der letzten Jahre lieferten interessante Erkenntnisse über die Komplexität sozialer Phänomene, sowie deren Zusammenhänge mit ökologischen Faktoren, wie zum Beispiel biologische Rhythmen, oder die effiziente Nutzung von Ressourcen. Diese Aktivitätsmuster und Verhaltenszyklen von Tieren sind an saisonale und tageszeitliche Rhythmen angepasst, weisen aber auch eine gewisse Plastizität in Bezug auf die der Reaktion auf soziale Lebensumstände auf.

Hauptforschungsziel des Projektes ist die Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Aktivitätsmustern und Sozialverhalten, also die Modulation der Rhythmen durch den sozialen Status bzw. die Rangordnung bei einem hoch-sozialen Wirbeltier, der Graugans (Anser anser), welches als Tiermodell für soziale Systeme betrachtet werden kann. Als Forschungsobjekte dienen an Menschen habituierte, aber frei lebende und individuell markierte Tiere der Graugans-Population der Konrad Lorenz Forschungsstelle (KLF) in Grünau im Almtal (OÖ). Zusätzliche physiologische Informationen über die aus dem Kot bestimmte Nahrungsverwertung ergänzen den integrativen Forschungsansatz über Aktivitätsmuster und deren Auswirkungen auf das Sozialverhalten und den Fortpflanzungserfolg. Diesbezüglich weisen vorläufige Ergebnisse auf unterschiedliche Verdauungseffizienz je nach sozialer Kategorie (Eltern zeigen eine höhere Effizienz als Unverpaarte bzw. Verpaarte ohne Nachkommen) hin. Die KLF verfügt über die erforderliche Expertise und die entsprechenden wissenschaftlichen Vernetzungen, um diesen komplexen Datensatz zu erheben und zu analysieren, wie zum Beispiel die Kooperation mit der Universität Udine (IT) und der Anglia Ruskin University (UK).

Teil des Projektes sind MINT-Maßnahmen für die Schülerinnen des am Projekt beteiligten BG/WRG „Körnerstrasse“ aus Linz, welche ihre Projekt-Erfahrungen beim Cambridge Science Festival präsentieren werden. Drei Klassen der Volksschule Grünau im Almtal nehmen ebenso am Projekt teil mit der Aufgabe, sich der Erhebung des Zeit-Raum Musters der Graugänse zu widmen und als Multiplikatoren für den Schwerpunkt Citizen Science zu wirken. Bürgerinnen und Bürger werden außerdem über weitere Info-Kanäle (e.g. Social Media, Internet Plattformen) eingeladen, sich an der Datenaufnahme zu beteiligen. Die Vielfältigkeit der Akteur/innen und der Aufgaben im Projekt krönt die langjährige Zusammenarbeit der KLF mit den regionalen Bildungseinrichtungen und stellt gleichzeitig eine solide Basis für weiterführende Forschungsvorhaben dar.