Critical Science Literacy

Warum Wissenschaft nicht einfach wahr ist, was das mit dir zu tun hat und wie du es ändern kannst

In der gegenwärtigen „Wissensgesellschaft" spielt wissenschaftliches Wissen eine zentrale Rolle in der Herstellung, aber auch der Herausforderung gesellschaftlicher Ordnung. Ein kritischer Umgang mit wissenschaftlichem Wissen kann daher als eine „demokratische Grundfertigkeit" gesehen werden. Insbesondere die Schule ist ein Ort, an dem gelernt werden kann, „wissenschaftliche Tatsachen" und vermeintliche Wahrheiten kritisch zu hinterfragen und die eigenen Mitgestaltungsmöglichkeiten an gesellschaftlichen Prozessen zu erweitern. Hierzu will das Projekt durch die Förderung einer critical science literacy einen Beitrag leisten.

Im Projekt sollen Schüler/innen der 11. Schulstufe des Gymnasiums GRG 23 gemeinsam mit Wissenschaftler/innen und ihrer Psychologielehrerin einen kritischen Zugang zu wissenschaftlichem „Wissen vom Menschen" erarbeiten. Im Rahmen des Wahlpflichtfaches Psychologie und Philosophie gehen sie der Frage nach, wie in unterschiedlichen Medien wissenschaftliches „Wissen vom Menschen" sowie Geschlechterwissen produziert, vermittelt und gesellschaftlich wirksam werden.

Unsere Überlegungen zu critical science literacy sind geprägt von der Pädagogik Paulo Freires, der den emanzipatorischen, partizipativen und transformativen Moment von Bildung betont und die Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden als dialogisch beschreibt. In diesem Sinne soll es im Projekt nicht darum gehen, die Schüler/innen zu beforschen oder ihnen Erkenntnisse zu vermitteln, die mit ihrem Wissen und ihren Lebensrealitäten wenig zu tun haben. Vielmehr ist es zentral, den lebensweltlichen Bezug von wissenschaftlichem Wissen herzustellen, da laut Freire wirkliche Bildung im Sinne einer Aneignung – und Veränderung – der Welt nur so funktionieren kann.

Im Projekt analysieren die Schüler/innen und Wissenschaftler/innen psychologische Theorien und ihre Darstellung in Schulbüchern und in populären Medien. Anhand von Gruppendiskussionen wird zunächst gemeinsam das psychologische (Handlungs-)Wissen der Schüler/innen rekonstruiert und die Schüler/innen lernen die Methode der kritischen Diskursanalyse kennen. Mit diesem Werkzeug sowie dem transdisziplinären, methodischen Repertoire der Wissenschaftsforschung und der feministischen Wissenschaftskritik erforschen die Schüler/innen zum einen, welche Theorien in Alltagswissen, Schulbüchern, Neuen Medien wie Wikipedia und populären Zeitschriften Eingang finden und welche nicht. Zum anderen untersuchen sie, welche gesellschaftlichen Ungleichheiten in diesen Theorien im Namen der Objektivität verbreitet und stabilisiert werden.

Schließlich sollen Alternativen zu herrschendem (Geschlechter-)Wissen erarbeitet und von den Schüler/innen im Rahmen kleiner Ergebnistexte auf einer Internet-Plattform publiziert werden.