Sorgekulturen am Lebensende

Erzählen über Sorgekulturen am Lebensende. Schüler*innen und Citizen Scientists forschen im interkuturellen und intergenerationalen Austausch

„Care“ – oft mit Sorge übersetzt –  bezeichnet eine Praxis der Achtsamkeit und steht für eine praktizierte Grundüberzeugung, für fürsorgliche Aktivitäten und achtsame Zuwendung. In einem breiten, politischen und politikwissenschaftlichen Verständnis bezeichnet „Care“ eine Politik der Sorge, an der sich Organisationen, Gemeinden oder auch die gesamte Gesellschaft orientieren können und sollen. „Sorgekulturen“ sind Kulturen von sozialen Systemen, also von Familien, Teams, Organisationen oder Gemeinden, die sich um die Sorge für verletzliche Menschen bemühen. Im Zentrum steht die Förderung gesellschaftlicher und organisationaler Rahmenbedingungen, die gute Sorge lebbar machen.

Viele Schüler und Schülerinnen sowie Studierende in Pflegeausbildungen begegnen während ihrer ersten Praktika zum ersten Mal sterbenden Menschen. Nicht immer sind sie gut auf die emotionalen Auswirkungen vorbereitet, die ein Todesfall auf sie haben kann. Das Projekt will hier einen Raum eröffnen, indem sie ihre Erfahrungen erzählen und reflektieren können.

Dies soll in 12-15 intergenerationellen und interkulturellen Erzählcafés und in 8-10 qualitativen narrativen Einzelinterviews geschehen. Erzählt wird gemeinsam mit Menschen mit Demenz und mit hochbetagten Menschen als Citizen Scientists. Schüler und Schülerinnen der Caritas Schule für Sozialberufe (Wien) und Studierende am FH Campus Donaustadt (Wien) werden die Erzählcafés mit vorbereiten, sich an ihnen beteiligen und sie ko-moderieren. Die Erzählcafés werden auf digitalem Tonträger aufgezeichnet und in Kooperation zwischen Forschenden und Auszubildenden ausgewertet. Auf diese Weise wird das Projekt innovatives Wissen über Erzählcafés als Forschungsmethode generieren.

Im Projekt sollen mehrere Transferprodukte entstehen: Im Unterrichtspaket „Erzählcafé“ sollen alle Materialien, die zur Durchführung der Erzählcafés entwickelt werden, anonymisiert für den Unterricht und für die interessierte Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Aus einzelnen Erzählungen zu Sorgekulturen am Lebensende sollen kurze, anonymisierte Geschichten als „teaching cases“ entwickelt werden. Ein Kurzfilm „Sorgekulturen am Lebensende“ mit Beiträgen der Schüler, Schülerinnen und der Studierenden und von Citizen Scientists soll im dritten Projektjahr aufgenommen werden und für den Unterricht zur Verfügung stehen. Für die wissenschaftliche Verbreitung der Ergebnisse sollen im Projekt mehrere wissenschaftliche Publikationen und eine kumulative Dissertation entstehen.

(Fotocredit © Privat)